Fahrplan, Zielwerte & Risiken
Was in welcher Reihenfolge geschieht, was wir messen werden und was schiefgehen könnte — mit unserer Antwort auf jedes Risiko, klar benannt.
Umsetzungsfahrplan
Der Plan ist so aufgebaut, dass Risiken früh und mit wenig Geld geprüft werden — erst danach fließt größeres Kapital.
Dies ist ein langfristiges Vorhaben mit hohen Anfangsanforderungen. Die Aufbaujahre verlangen am meisten Geld, Arbeit, Wasser und Aufmerksamkeit — Boden, Schatten, Bäume, Wassersysteme, lokale Fähigkeiten und Vertrauen müssen erst entstehen, bevor das Land viel zurückgibt. Der Ertrag kommt später, ist dafür aber beständig: Ein etabliertes System ist deutlich günstiger im Betrieb, widerstandsfähiger und wirklich erweiterbar. Die Phasen unten beschreiben aktive Arbeit und überlappen sich in der Praxis; der volle Pilot erstreckt sich über rund drei Jahre, bevor das Projekt vom Aufbau in Pflege und Weitergabe des Modells übergeht.
Machbarkeit, Standortwahl, Team & Partnerschaften
Gründungsteam aufstellen, erste Partner bestätigen, Trägerstrukturen registrieren und Kandidatenstandorte außerhalb des Stadtzentrums von Lodwar identifizieren. Die entscheidende Wasserstudie, die Bodenuntersuchung und die Beratungen mit der Gemeinschaft werden abgeschlossen.
Erste Demonstrationszelle
Eine gesicherte Demonstrationszelle von rund einem Hektar vorbereiten. Den ersten Brunnen bohren, Wasserspeicher, Solarpumpe und Tropfleitungen installieren. Die Baumschule aufbauen, Kompostwirtschaft beginnen, die ersten Agroforst-Reihen und syntropischen Versuchsreihen pflanzen, die Agri-Photovoltaik-Versuchsfläche errichten und die ersten lokalen Ausbildungsjahrgänge abschließen.
Voller Fünf-Hektar-Pilot & Akademie
Die Anbaufläche von der Demonstrationszelle auf den vollen Pilotstandort erweitern. Klassenräume, Sanitäranlagen und einfache Unterkünfte bauen. Die Baumschule auf Verkaufsgröße ausbauen, das Sensornetz vervollständigen, den Verkauf von Erzeugnissen auf den Märkten von Lodwar beginnen und das Kernpersonal einstellen.
Konsolidierung, Daten & Replikation
Monitoring vertiefen, die Wassererfassung ausbauen, die digitale Grundbildung erweitern, Ertragsdaten veröffentlichen, den Replikationsleitfaden zusammenstellen und die ersten externen Replikationspartner gewinnen.
Ausbau zum regionalen Campus
Erst wenn Landwirtschaft, Ausbildung, Energie, Trägerstruktur und Finanzen sich bewährt haben, prüft das Projekt den Ausbau zu einem größeren regionalen Zentrum für Klimaanpassung und Ausbildung.
Messbare Zielwerte
Der Erfolg der Pilotphase wird an klaren Zielwerten gemessen, damit die Tragfähigkeit der Methoden unter Trockenland-Bedingungen belegbar ist.
| Kennzahl | Zielwert der Pilotphase | So messen wir |
|---|---|---|
| Bewirtschaftete Fläche | 5 Hektar Pilotziel (1 Hektar aktiv im ersten Jahr) | Vermessung, Zaunverlaufskarten und aktive Anbauraster. |
| Überlebensrate der Pflanzen | ≥ 70 % nach 18 Monaten | Bestandsprüfungen der Baumschule, Feldmarkierungen und Zählung der Pflanzreihen. |
| Wassereffizienz | Liter je kg Erzeugnis, Jahr für Jahr sinkend | Brunnenzähler, Bodenfeuchtevergleich und Erntegewichte. |
| Lokale Ausbildung | ≥ 150 Menschen ausgebildet (davon ≥ 40 % Frauen/Jugendliche) | Einschreibungen der Akademie, ausgestellte Zertifikate und eine nach Geschlecht aufgeschlüsselte Datenbank. |
| Verbleib der Ausgebildeten (Beständigkeit) | ≥ 60 % nutzen die Systeme nach 18 Monaten aktiv | Nachbefragungen, Besuche lokaler Farmen und Beschäftigungsnachweise. |
| Lokale Arbeitsplätze | ≥ 8 feste lokale Stellen (plus Gelegenheitsarbeit) | Lohnlisten, Verträge und Arbeitsvereinbarungen der Baumschule. |
| Kostendeckung | 20 %–30 % der Betriebskosten aus eigenen Einnahmen am Ende der Pilotphase | Finanzprüfungen, Schulungsbelege und Verkaufsbücher von Baumschule und Ernte. |
| Replikationsanfragen | ≥ 3 ernsthafte Anfragen von Gemeinschaften oder NGOs | Absichtserklärungen, Anfragen lokaler Behörden und dokumentierte NGO-Gespräche. |
Risiken & unsere Antworten
Landwirtschaftliche Entwicklung im Trockenland birgt echte Risiken. Wir benennen sie offen — und sagen konkret, was wir dagegen tun.
Risiko: In Turkana sind viele Tröpfchenbewässerungsprojekte nach wenigen Jahren gescheitert — an schwacher Verwaltung, Wartungslücken oder fehlenden Ersatzteilen.
Unsere Antwort: Die Ausbildungsakademie befähigt Menschen vor Ort, die Systeme zu warten und zu reparieren. In den Gerätebudgets ist eine feste Ersatzteilrücklage eingeplant. Und wir setzen auf eine bodenzentrierte, artenreiche Methode — Agroforst auf Basis bewährter Trockenland-Arten, mit syntropischen Pflanzungen als begrenztem Versuch —, die die Abhängigkeit von zugekauften Betriebsmitteln senkt und Lieferengpässe besser verkraftet.
Risiko: Die Hürde ist Qualität und Standort, nicht die Menge: Ein gut platzierter Brunnen im frischen Turkwel-Schwemmland liefert weit mehr, als der Campus braucht — ein Brunnen im benachbarten salzhaltigen Turkana Grit oder in fluoridbelastetem Wasser ist dagegen unbrauchbar. Rund die Hälfte der Grundwasserproben im County überschreitet den Fluorid-Richtwert von 1,5 mg/L.
Unsere Antwort: Gebaut wird erst, wenn das gestufte Wasserverfahren bestanden ist. Geophysik kommt vor jeder Bohrung; die Probebohrung muss strenge Grenzwerte einhalten (elektrische Leitfähigkeit unter ~1.000 µS/cm und Fluorid unter 1,5 mg/L); für eine enttäuschende erste Bohrung ist eine zweite eingeplant. Regenwassersammlung und Mulch senken zusätzlich den Bedarf.
Risiko: Die Trinkwasserversorgung von Lodwar hängt am örtlichen Grundwasser. Landwirtschaftliche Entnahmen könnten die städtischen Brunnen beeinträchtigen.
Unsere Antwort: Die Phase-0-Studie ermittelt ausdrücklich die lokalen Absenkungen und nachhaltigen Entnahmegrenzen. Wir verpflichten uns zu öffentlich einsehbarem Monitoring unseres Wasserverbrauchs und setzen vorrangig auf Regenwassersammlung und wassersparende Bodenbedeckung, um die Grundwasserentnahme klein zu halten.
Risiko: Eines der größten Risiken in Turkana. Rund neun Zehntel des County sind nicht registriertes Gemeinschaftsland in treuhänderischer Verwaltung des County; die formale Registrierung beginnt gerade erst, und nur wenige Gemeinschaften halten bislang einen Titel. Es gibt also meist keinen sauberen Privattitel zu kaufen — und Landerwerb ohne echte Zustimmung führt zu Streit und Gerichtsverfahren.
Unsere Antwort: Wir nutzen nicht das Land der Gründerfamilie. Wir streben einen dokumentierten Pachtvertrag über ausgewiesenes öffentliches Land in der Munizipalität Lodwar an — kein umstrittenes Gemeinschaftsland —, betreiben vom ersten Tag der Phase 0 an eine eigene rechtliche Prüfung, sichern echte öffentliche Beteiligung und County-Verfahren und vereinbaren die Nutzenverteilung mit der Gemeinschaft schriftlich. Klare Landrechte sind ein K.-o.-Kriterium — gleichrangig mit dem Wasser.
Risiko: Die lokale Gemeinschaft könnte den Campus als privates oder fremdes Vorhaben wahrnehmen — mit geringer Beteiligung und wenig Rückhalt.
Unsere Antwort: Das Projekt wird mit der Gemeinschaft entwickelt, nicht für sie. Älteste, Jugendvertretungen und Frauengruppen sind ab Phase 0 eingebunden. Ein lokaler Beirat sichert die Vertretung der Gemeinschaft. Eingestellt und eingekauft wird, wo immer möglich, vor Ort.
Risiko: Schwere Dürren, Hitzewellen oder Sturzfluten könnten Pflanzen und Solaranlagen zerstören. In Turkana ist die Flutgefahr sehr konkret: Dieselben Saisonflüsse, die das Grundwasser neu bilden, treten auch gewaltsam über die Ufer — zu nah am Flusslauf gelegene Flächen können weggerissen werden.
Unsere Antwort: Wir beginnen mit einer 1-ha-Zelle, um robuste Arten unter örtlichen Bedingungen zu testen. Agroforst-Reihen kombinieren trockenheitsangepasste und einheimische Arten zu einem gestaffelten Blätterdach, das Bodentemperatur und Verdunstung senkt; syntropische Pflanzungen laufen in begrenztem Versuchsmaßstab. Gebäude, Baumschule und Brunnen werden bewusst außerhalb der Flutzone platziert — das Oberflächenwasser wird trotzdem aufgefangen —, geschützt durch Wälle und Entwässerung.
Risiko: Ein Projekt, das an einer einzigen mehrjährigen Förderung hängt, bricht zusammen, wenn diese endet. Das ist nicht hypothetisch: Die Abwicklung von USAID im Jahr 2025 beendete abrupt große Turkana-Programme (darunter das Resilienzprogramm Nawiri mit rund 100 Mio. USD) und ließ gut geführte Projekte mitten im Vorhaben stranden.
Unsere Antwort: Wir machen uns nie von einem einzigen Geber abhängig, bauen früh eigene Einnahmen und eine Wartungs- und Ersatzteilrücklage auf — und planen ausdrücklich ein Kern-Überlebensbudget: die Mindestausgaben, die Bäume am Leben, die Pumpe am Laufen und ein Kernteam in Beschäftigung halten. Ein mageres Jahr bedeutet dann Schrumpfen, nicht Zusammenbruch.
Risiko: Ausgebildete lokale Fachkräfte sind rar und werden von finanzstarken NGOs aktiv abgeworben. Das Projekt könnte Menschen ausbilden, nur um sie zu verlieren — und damit genau die lokale Kompetenz aushöhlen, auf der seine Beständigkeit beruht.
Unsere Antwort: Faire Bezahlung und Arbeitsbedingungen; ein klarer Aufstiegsweg (Feldarbeit → Technik → Ausbildung); Mitverantwortung und Teilhabe über die CBO; und ein Train-the-Trainer-Modell, das tief genug reicht, dass kein einzelner Weggang das Projekt gefährdet. Der aktuelle Rückzug vieler Hilfsorganisationen aus Turkana bietet zugleich die Chance, erfahrene Kräfte aus beendeten Programmen zu gewinnen.
Risiko: Viehdiebstahl und Unsicherheit haben in Turkana reale Projekte zum Stillstand gebracht. Eine unbewachte Farm ist dem Diebstahl von Geräten und Ernte ebenso ausgesetzt wie eindringendem Vieh.
Unsere Antwort: Wir bevorzugen einen Standort im vergleichsweise ruhigen Raum Lodwar statt im konfliktbelasteten Südkorridor, planen Umzäunung und Bewachung von Anfang an ein, bauen echte Mitverantwortung der Gemeinschaft auf — damit die Farm von ihren Nachbarn geschützt statt abgelehnt wird — und binden Nutztiere bewusst ein, statt Eindringen dem Zufall zu überlassen.